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Wie viel Traum steckt in der Realität?

 

Unser Leben besteht aus Räumen. Aus inneren und äußeren Orten, die wir besuchen und an denen wir anderen begegnen. Aus Innen- und Außenräumen, aus Zeiträumen und aus Zwischenräumen. Nicht zuletzt auch aus Träumen, deren Verwirklichung unsere innere mit der äußeren Welt verbindet. Klingt vielschichtig? Ist es auch. Und weil gerade Räume so viel zu tun haben mit unseren Träumen, ist das eines der ganz großen Themen in unserem Leben: Die Gestaltung unseres Lebensraums.

 

Was erwarte ich von meinem Lebensraum?

 

Insgesamt zehn Architektinnen setzen sich mit uns – und allen interessierten Gästen – an einen Tisch, um nicht nur über konkrete Projekte und Ideen zu sprechen, sondern auch über dahinterliegende Bedürfnisse, Fragestellungen und Herausforderungen. Die Zugänge sind dabei so unterschiedlich wie die teilnehmenden Studios. Da sind zum Beispiel Theresa Häfele und Julia Nuler, die gleich für ihre erste Einreichung am Roland Rainer Wettbewerb mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurden. Ihre Projekte gehen über das konstruktive Umsetzen von Bauprojekten hinaus, stellen Zusammenhänge zu anderen Disziplinen her und sind wertvolle Beiträge im aktuellen Architekturdiskurs. Sie hinterfragen Muster und verfolgen soziopolitische Wertekonzepte, unter anderem in Bezug auf soziale Gerechtigkeit und Gleichbehandlung.

 

Das Sullnerhaus von Häfele Nuler Architektinnen

 

Theresa Häfele und Julia Nuler setzen außerdem auf eine hohe Umweltverträglichkeit, die Wiederverwertung von Materialien und eine langfristige Nutzungsflexibilität. Sichtbar wird dies am Sullnerhaus. Es handelt sich dabei um einen Holzbau in Massivbauweise, mit natürlichen Baustoffen zur Dämmung und vorherrschend unbehandelten Materialien. Die Wohneinheiten können sich den Bedürfnissen der Bewohner anpassen und sind adaptierbar, entsprechend der Anzahl an BewohnerInnen und deren veränderten Bedürfnissen. Der Einbau einer barrierefreien Rampe wäre ebenso möglich wie ein behindertengerechtes Bad/WC und die aktuellen Arbeitsräume können zu Schlafräumen umfunktioniert werden.

 

Und umgekehrt: Was macht mein Lebensraum mit mir?

 

Einen wiederum anderen Zugang zum Thema Lebensraum eröffnet die POTENTIALe Fotografie-Ausstellung. David Beger ist Kurator und Fotograf und hat für sein Projekt „field work“ fünf internationale FotografInnen ausgewählt, die sich mit einer ganz konkreten Lebenswelt auseinandersetzen – und diese porträtieren. So erstaunlich es ist, wie verschieden Orte und Lebenswelten sind und auch dargestellt werden können, so naheliegend ist die allen gemeinsame Bedeutung eines persönlich gestalteten Umfelds. Beispielhaft ist das berührende Projekt „At Mirrored River“ von Enda Bowe aus London. Im Versuch, die Sprache von Orten zu verstehen, hat sie sich fotografisch einem ganz bestimmten Ort genähert. Ihre Porträtierungen von Menschen und deren Räumlichkeiten lassen spüren, wie sehr wir mit unserer Umgebung in Wechselwirkung stehen.

 

„Das gälische Wort Teannalach meint ein Bewusstsein für Unberührbares, Stummes. Es heißt, sich der Stille und Präsenz von Menschen und Orten bewusst zu sein. Mein Projekt bildet das Teannalach an Geschichten und Träumen einer gewöhnlichen Kleinstadt ab. Jeder Ort dieser Welt ist voller Gefühle – und so können wir Licht, Schönheit, Hoffnung und Optimismus entdecken, wo andere nur weltliche Routine sehen.“

 

POTENTIALe Messe & Festival Programm

 

 

 

Text: Lena Hopp 

Fotos: Claudio Rasano