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Ein Häusl aus Papier

 

Bereits in den vergangenen Jahren habt ihr Taschen und Accessoires aus Papier präsentiert, die von einer erstaunlichen Langlebigkeit und Robustheit sind. Euer neuestes Produkt jedoch verblüfft uns noch viel mehr: Taschen aus Papier und Beton?

 

2015 haben wir Daniel Hrach und Betonen in der Werkstatt der POTENTIALe kennengelernt. Dort herrschte eine so gute Atmosphäre, um unsere eigene Kreationen zu teilen – und auch, um andere zu treffen und die Inspiration und Prozesse hinter deren Arbeit zu entdecken. Wer so spezialisiert ist wie Papier Langackerhäusl oder Betonen, der ist gefordert, materielle Fähigkeiten und Möglichkeiten über das Offensichtliche hinaus zu erkennen. Mit Daniel Hrach haben wir gemeinsam, dass wir versuchen, die Grenzen unserer Materialien zu erweitern. Instinktiv entstand im Gespräch die Idee für eine mit Beton beschichtete Papiertasche.

 

Für einen Laien ist Beton eine zähe Masse und Papier etwas relativ Fragiles. Wie lassen sich Beton und Papier überhaupt vereinen?

 

Papier und Beton haben wie alle Materialien bekannte Stärken und Herausforderungen. Jenseits dieses Bereichs liegen unvorhergesehene Eigenschaften, die durch Verarbeitungsanpassungen erreichbar sind. Um etwas erfolgreich zu kombinieren, muss jedes Teil seine Unterscheidbarkeit bewahren und sich in einem logischen, aber unerwarteten Kontext etablieren. Die Zugabe von Latex ermöglicht ein entsprechend verstärktes Papier und eine flexible Betonschicht. Daniel trägt die Betonbeschichtung auf ein Blatt industriell hergestelltes Papier von Hand auf, welches jeder Tasche eine einzigartige Struktur gibt. Nur die exakt richtige Kombination führt jedoch zu den Eigenschaften, die eine praktische Tasche braucht. Obwohl eine Betonbeschichtung prinzipiell zu einer physisch stärkeren Tasche führt, ist dies nicht die Priorität unserer Zusammenarbeit. Unser Ziel ist es, etwas Schönes zu schaffen, das jemand einfach liebt und worum er sich kümmern möchte. Erst diese Art der Verbindung lässt Gegenstände lebendig werden, unabhängig davon, aus welchem Material sie bestehen.

 

Wodurch habt ihr am meisten dazugelernt, in der Arbeit mit Papier? Woher kommt eure Inspiration?

 

Grafikdesign, visuelles Styling, Fotostyling und Kostümdesign sind einige der Bereiche, in denen wir wertvolle Erfahrungen mit Papier gesammelt haben. Inspiration ist für uns allgegenwärtig, aber die Abgelegenheit vom Langackerhäusl ermöglicht uns, unsere Ideen vor dem Hintergrund der Natur zu entwickeln.

 

Beton gilt im Allgemeinen nicht wirklich als "natürliches" Material. Es besteht zwar aus natürlichen Grundstoffen, einmal hergestellt ist es aber kaum mehr abbaubar. Wie sieht das bei euren Taschen aus? 

 

Unsere beiden Modelle „Wall“ und „Tile“ wurden als leichtgewichtiges, funktionales Zubehör konzipiert, das die üblichen Betonformen optisch verkörpert. Sie stellen eine surreale Stilmöglichkeit für den Einzelnen dar, der einzigartiges Design und überlegene Handwerkskunst schätzt. Biologische Abbaubarkeit sowie die Langlebigkeit einer Tasche zu erweitern waren in diesem Fall nicht der Fokus unserer Arbeit.

 

Was macht eure Arbeit zu einer nachhaltigen? Worum geht es aus eurer Perspektive bei Nachhaltigkeit? 

 

Wir sind ein zweiköpfiges Team und kümmern uns direkt von unserem ländlichen Zuhause aus um alle Aspekte unseres Geschäfts. Nachhaltigkeit ist für uns kein Anspruch, sondern ein von Anfang an vorhandenes Grundprinzip. Unsere Lebensqualitätsklausel bestimmt alles, von unserer Materialauswahl und Arbeitsweise bis zu unserer Produktionsleistung. Die Aufrechterhaltung dieses Gleichgewichts gibt uns eine wichtige Verbindung zu allem, was wir herstellen, und bietet den Menschen die Möglichkeit, eine Alternative zu Massenware zu erleben.

 

 

Text: Lena Hopp