Durchaus Durchhaus

Feldkirch, Neustadt. Dort, wo oben die alte, goldene Wirtshaussonne glänzt, befindet sich unter den Lauben die Bottega del Gusto. Sitzplätze und Tischchen hat das italienische Ladenlokal auch im Durchgang zum Innenhof. Und dieser Durchgang ist – auch wenn das bisher auf manche/n so gewirkt haben mag – alles andere als eine Sackgasse. Es ist ein Durch-Gang, der seinem Namen alle Ehre macht. Neuerdings sogar zweifach: Wie schon bisher, ist es möglich, ihn als Abkürzung zu verwenden, um in die Rosengasse zu gelangen (bzw. aus der Rosengasse vom Zugang der Gutwinski-Appartements zu kommen und ‚beim Italiener‘ in den Lauben zu landen).


Neu – weil neu freigelegt – ist der Durchgang zwischen dem Innenhof des  Altstadthaus Sonne und der Entenbachgasse auf Höhe der alten, ehemaligen Alpenrose-Gemäuer. Dieser Weg führt direkt durch – ja, durch! – die ganz, ganz jungen Büroräumlichkeiten der POTENTIALe. Nachdem das Projektteam sich immer wieder intensiv mit dem Phänomen Zwischennutzung beschäftigt hat und dabei in ermöglichender, vermittelnder, fördernder Rolle tätig war, schien nun der Zeitpunkt gekommen, Zwischennutzung einmal selbst auszuprobieren. 

 

Zum ersten Mal zeigte sich der auf Zeit gewonnene Raum anlässlich der Architekturtage. Zu dem Zeitpunkt war erst eine Hälfte des Gewölbes zugänglich und mit Ausstellungsflächen des Stadt/Studio bestückt: Architekturstudierende der Universität Liechtenstein, zu deren realisierten Konzepten das Teehaus am Raiffeisenplatz zählt, präsentierten die unterschiedlichsten Entwürfe und Ideen zum  Stadtraum Feldkirch. Diese Skizzen und Pläne sind nach wie vor zu besichtigen, auch jetzt noch, wo auf der anderen Seite des Raumes Arbeitsplätze eingerichtet und in Betrieb genommen worden sind.  

 

Dabei hebt Ingo Türtscher hervor, dass diese Arbeitsplätze nicht fix definiert und quasi für die POTENTIALe reserviert sind: Sechs Plätze stehen derzeit zur Verfügung und bilden eine Art halböffentlichen Coworking-Space. Neben dem Kernteam der POTENTIALe, zu dem neben Ingo Türtscher Maya Kleber, Lukas Stark und demnächst dessen Nachfolgerin Lena Sudmann gehören, können und sollen alle MitarbeiterInnen der Stadtkultur & Kommunikation vom Montforthaus bis zum Alten Hallenbad den Raum verwenden. Im Raum steht auch die Idee einer langen ‚Arbeitstafel‘, die noch einmal deutlicher machen würde, dass es keine zugeteilten ‚Reviere‘ gibt, sondern einfach Platz, um zu arbeiten. 

 

Bei trockenem Wetter bietet sich zudem der Innenhof mit seinen Pflanztrögen und Sitzgelegenheiten an: Als Ort für Besprechungen, Pausen, und auch als Raum für Begegnung von HausbewohnerInnen, Gästen, SchafferInnen, AusstellungsbesucherInnen und Flanierenden. Ist das auch von Eigentümerseite aus so gedacht? Markus Schelling kann im Namen der Raiffeisen-Immobilien ohne zu zögern zustimmen. Auch der Brunnen im Hof dürfe selbstverständlich von PassantInnen genutzt werden, um sich zu erfrischen oder die Wasserflasche aufzufüllen.

 

Einen nicht unwesentlichen Part werden beim ‚Socializing‘ der POTENTIALe in der Neustadt – und nicht zuletzt bei ihrer Vernetzung im Quartier! – die POTENTIALe Mobile übernehmen: Zwei der drei Gemeinsam-Koch-Sitz-Ess-Gelegenheiten, die ihrerseits bei den Architekturtagen und dem Neustadtfest zum Zug gekommen waren, sind im Büro geparkt und harren ihrer Einsätze.

 

Sache des Ausprobierens wird sein, was es braucht und was es verträgt: Wie viel Zufalls- und Spontanbetrieb, wie viel Ausstellungspublikum, wie viele Menschen, die gezielt bei der POTENTIALe vorbeischauen oder mit Anliegen vorstellig werden möchten? Im Moment, wo das Büro noch an keinem der drei Zugänge beschildert ist und seine neue Präsenz nicht an die große Glocke hängt – auch die Klingel ist einstweilen nicht beschriftet – , surren drei Laptops zu städtischem Vogelgezwitscher und dem ein oder anderen Telefonat.

Einziger Besuch an diesem Vormittag ist ein Herr von vielleicht drei Jahren, der vom Innenhof her die Stufen ins Büro herunter nimmt und sich ein bisschen skeptisch umschaut. 

 

 

Text: Petra Nachbaur

Fotos: Bernd Hofmeister, Miro Kuzmanovic, Lukas Stark