12. November 2017

Das Druckwerk weit weg von der Stadt

Wer kein Navi hat, kurvt erst mal ein bisschen durch die Gegend. Ob Druckwerkstätten in Navigationsgeräten eingezeichnet sind? Viele gibt´s davon ja nicht. Was schon mal ein guter Grund wäre, sie etwas deutlicher hervorzuheben. Denn spätestens wenn man einmal die Druckwerkstatt in Lustenau gefunden hat, weiß man, dass man es hier mit einer echten Besonderheit zu tun hat.

© patice.at                         

Beim Betreten die Wortfetzen eines Gesprächs: „Ich lebe ja in Wien, fahr aber gern jeden Monat extra hierher. Wenn´s nach mir alleine ginge, würde ich nur noch hier drucken.“ Es ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich, warum. Große Druckpressen aller Art stehen still. Ähnlich ist auch die Stimmung: angenehm ruhig, einladend, ohne ihre Dienste aufzudrängen. Hier druckt man selbst. Ein Illustrator betritt den Raum, um an seinem Projekt weiterzuarbeiten. Seine Arbeit hat einen guten Ruf, weit über die Grenzen, bis zur New York Times. Und alles das in Vorarlberg?

 

Ja. Es waren Pirmin Hagen und Christine Katscher, zwei Bildende Künstler, die in Edinborough ihre Faszination für Druckwerkstätten entdeckten. Ihr Entschluss, selbst eine Druckwerkstatt zu eröffnen, wurde von zwei Faktoren begünstigt: Die Auflösung des Druckmuseums in Dornbirn und eine großzügige Förderung von der Gemeinde Lustenau. Von der einen Seite erhielten sie voll funktionstüchtige Druckpressen, von der anderen frei verwendbare Räumlichkeiten. Seither kann man in Vorarlberg Mitglied beim Verein der Druckwerkstatt werden und eigene Werke gestalten. Und eine Erfahrung machen, die heutzutage sogar den meisten Grafikern sehr lange verwehrt bleibt - der haptische, unmittelbar erlebbare Prozess von der Idee zum Druck.

 

Typografie als Tradition

 

Wer sich ausprobieren möchte, besucht eine der Einführungen, die auch für Schulklassen oder Grafik-Lehrlinge angeboten werden. Auch Kooperationen mit der Fachhochschule werden hier umgesetzt. „Mit dem aktuellen Aufschwung der Typografie erlebt das klassische Druckhandwerk gerade eine Renaissance“, sagt Lorenz Helfer, einer der bemerkenswertesten Künstler der jungen Bildenden Szene in Vorarlberg.

 

Er unterstützt die Druckwerkstatt schon seit längerem. Mit Interesse beobachtet er den steigenden Trend zur Typografie - und erinnert an die typografische Tradition Vorarlbergs: „Im Verhältnis zum Rest von Österreich hatte die Typografie in Vorarlberg immer schon einen recht hohen Stellenwert. Vermutlich kommt das durch die örtliche Nähe zur Schweiz, wo die historische Linie der Typografie beinahe deutlicher ist als jene der Malerei. Umso erstaunlicher, dass niemand den Vorarlberger Typografen Othmar Motter kennt. Schließlich hat dieser so bekannten Labels wie Reebok und Apple zu ihrem Schriftzug verholfen. Es ist wohl höchste Zeit, dass das weit unterschätzte Thema der Typografie endlich einer größeren Bandbreite zugänglich gemacht wird - und die POTENTIALe bietet dafür sicher den idealen Rahmen.“

 

Beim POTENTIALe TYPO-Tag war Lorenz Helfer mit einer Druckpresse vor Ort. Zahlreiche Kinder und Jugendliche - manche von ihnen erst drei Jahre alt - durften mit ihm ihren Namen setzen und drucken. „Es war beeindruckend zu sehen, mit wie viel Geduld sich viele von ihnen immer wieder und wieder anstellten, um den langsamen und anspruchsvollen Druckprozess zu erleben. Das zeigt auch, wie viel Wert es hat, Dinge eigenständig und Schritt für Schritt umzusetzen - statt einen Knopf zu drücken und ein ausgespucktes Ergebnis hinzunehmen.“

 

 

Wir danken der Druckwerkstatt und insbesondere Lorenz Helfer für ein Angebot, das seinesgleichen sucht - weltweit. Mit oder ohne Navi. 

03. November 2017

Was bringt Kunst, wenn diese nicht von Menschen gesehen wird?

Florian Gerer im Gespräch. Weil er für so manche unserer Fragen eine wirklich gute Antwort hat. Und die wollen wir gern teilen.

© patice.at                       

Was bedeutet Stadtraum? 

 

Stadtraum ist der Raum, in dem sich alle treffen, unabhängig von sozialer Zugehörigkeit, Nationalität, Geschlecht und so weiter. Es ist eigentlich der bedeutendste Raum für unterschiedlichste Begegnungen.

 

Was bedeutet es, Stadträume zu bespielen - und was ist das Besondere daran?

 

Die Gestaltung dieses Raumes wird meist von einer bestimmten sozialen Schicht übernommen und ist regelmäßig fremdbestimmt. Werbungen werden toleriert, aber Street Art nicht. Meist gibt es ein klares Urteil darüber, was zur „Hochkultur“ addiert werden darf und was nicht. Interessant ist am Stadtraum jedoch genau diese oft verpasst Chance, dass unterschiedlichste Menschen Zugang zu Kunst erhalten. Vor allem Menschen, die von elitär anmutenden kulturellen Räumlichkeiten abgeschreckt sind und deshalb nicht in Galerien oder Museen gehen. Das allgemeine Tamtam ist im öffentlichen Raum weniger groß - es geht schlicht um Kunst und deren Darstellung. Was bringt Kunst, wenn diese nicht von den Menschen gesehen wird? 

 

Wie sind deine Zugänge zur Stadtraumgestaltung?

 

Recht verhalten. Es würde sehr schöne Flächen geben, welche auch zu gestalten wären. Siehe die ganzen Stromkästen. Aber es ist überall verboten. Man muss sehr viel Hürden in Kauf nehmen, um überhaupt etwas machen zu können. Ich hatte Glück, dass Feldkirch da so motiviert war, dass ich das Projekt umsetze und auch, dass diese Wände tatsächlich der Stadt gehören. Das Leben kann trist genug sein, warum darf also nicht viel mehr Kunst frei zugänglich sein für die Menschen?! Wir müssen wieder sensibler werden für die schönen Dinge und den Alltag wahrnehmen. Es wird immer kritisiert, wie die Menschen sich in ihren Smartphones vertiefen. Nun ja, wenn es in der Wirklichkeit nichts Interessanteres zu sehen gibt, dann müssen die Menschen sich anders zu helfen wissen. Instagram, Pinterest und Co boomen - also wäre prinzipiell ein Interesse für Gestaltung, Design und Kunst da. Nur leider wird fast jeder künstlerische Ausdruck irgendwo hinverfrachtet, wo ihn niemand sieht. Aber die Werbung, die ist allgegenwärtig und wird uns visuell im öffentlichen Raum aufgezwungen. Geld regiert die Welt. Da kann ich nur Edward Abbey: The monkey wrench gang zum Lesen empfehlen.

 

Was prägt eine Stadt, wie prägt dich deine Stadt?

 

Für mich ist eine Stadt dann prägend, wenn diese ihren Fokus nicht nur auf die „Hochkultur“ legt. Umso mehr, wenn sie die subkulturellen Schätze nicht nur wahrnimmt, sondern auch fördert. Kunst im öffentlichen Raum kostet den Künstler oder die Künstlerin. Viele nehmen ihr eigenes Geld in die Hand, um etwas für die Öffentlichkeit zu machen, und dabei kommt auch eher selten Geld zurück. Aber es geht ja nicht nur um finanzielle Probleme. Es fehlt an Räumlichkeiten, vor allem an unkomplizierten Räumlichkeiten, welche auch tatsächlich von unterschiedlichen Leuten genutzt werden können. Es gibt viel kulturelles Angebot, nur spricht dieses viel zu oft nur ein ganz bestimmtes Klientel an. Umgekehrt bewege auch ich mich immer wieder in ähnlichen Strukturen. Immer mal wieder versuche ich, den Spagat zwischen Sub- und Hochkultur zu machen, aber ich fühle mich dann doch wohler auf der Straße beim Skateboardfahren und Fotografieren.

 


30. Oktober 2017

Architekten inszenieren für den Nutzen dazwischen

Was tut eigentlich das Studio SAAL im Pulverturm? Ziemlich viel, ziemlich aufwändig. Wir waren im Gespräch mit zwei Architekten, die mehr im Sinn haben als einfach Häuser zu bauen. Einige ihrer Antworten gibt es an dieser Stelle zu lesen.

© Lukas Pankraz Mähr 

Wer ist eigentlich Studio SAAL ?

 

SAAL ist aus dem Begriff „Sarl“ entstanden, einem der ursprünglichsten Worte für „Haus“. Seit 2016 ist SAAL ein Studio für Architektur, gegründet von Solveig Furu Almo und Lukas Pankraz Mähr. Es ist ein Ort der Zusammenkunft, ein Ort, an dem Projekte entwickelt werden: für Menschen, vor allem aber gemeinsam mit Menschen.

 

Funktioniert Architektur ohne Menschen?

 

Nein. Und umgekehrt kommen Menschen oft erst an Orten der Architektur zusammen. Das Herz eines jeden Hauses ist dort, wo sich die Menschen treffen. Projekte, die uns besonders am Herzen liegen, sind daher auch jene, die eine hohe Qualität in der menschlichen Zusammenarbeit aufweisen. Qualität bedeutet für uns mehr, als nur hochwertiges Material zu verwenden - es bedeutet auch einen respektvollen und klugen Umgang mit Ort und Umgebung, ein Erarbeiten sinnvoller Nutzungsmöglichkeiten und nicht zuletzt einen ernsthaft fundierten Austausch mit Menschen.

 

Wie sinnvoll ist Zwischennutzung?

 

Im Grunde mögen wir das Wort „zwischen“ nicht unbedingt. Die Diskussion rund um Zwischennutzungen ist allgegenwärtig und berechtigt. Eine temporäre Nutzung muss jedoch nicht davon gekennzeichnet sein, dass sie zwischen zwei anderen Nutzungen steht. Jedes Gebäude hat seine Epochen, Phasen und Nutzungsmöglichkeiten. Und generell widerspricht jeder Leerstand dem Daseinszweck eines Bauwerks.

Also gegen den Leerstand?

 

Gebäude sollen schlichtweg nicht leerstehen und verfallen - sondern genutzt werden. Wir sehen unsere Aufgabe sehr stark dort verankert, wo die bisherige Nutzung eines Hauses nicht mehr funktioniert oder überholt ist. Manchmal brauchen solche Häuser eine mehrmalige Neunutzung, um wieder sich selbst und den Anforderungen ihrer Zeit gerecht zu werden. Architektur ist also nicht zuletzt auch dafür da, Gebäude so anzupassen, dass sie wieder nutzbar sind.

 

Und konkret zum Pulverturm?

 

Man muss ihn gesehen haben, ganz einfach. Unsere Installation spielt sich hauptsächlich im Dachstuhl ab, der unserer Meinung nach architektonisch herausragend ist. Hier ist das tatsächliche Alter des Gebäudes am besten erkennbar - und auch die Bauweise seiner Entstehungszeit. Das zwölfseitige Zeltdach mit Mittelstütze und Fächerwerkkonstruktion birgt eine eigenartige Schönheit, dessen Verstärkung uns durch eine großflächige Verspiegelung gelungen ist. Diese Verspiegelung ist auch die ideale Grundlage für Lichtinstallationen. BesucherInnen können, aus einer Hängematte heraus, durch Licht hindurch in Spiegelfelder sehen, hinein in Raum und Atmosphäre. Eine nahezu meditative Stimmung wird erwirkt.

 

Wie ist solch eine Installation überhaupt umsetzbar?

 

Nicht einfach. Zwei Teams haben uns abgesagt, weil sie sich der doch sehr wagemutigen Aufgabe nicht gewachsen fühlten. Schließlich haben wir mit Manuel Schwald jemanden gefunden, der scheinbar Unmögliches auf beeindruckende Weise umsetzte. Ohne sein Engagement wäre die Realisation dieses Projekts ganz sicher nicht möglich geworden.


02. Oktober 2017

Was von uns bleibt ...

Nicht nur Zwischennutzen, auch der Nutzen danach hat eine zentrale Bedeutung

© Magdalena Türtscher    

© Magdalena Türtscher 


Kurz vor der POTENTIALe 2016 wurde ein seltsames Konstrukt im Reichenfeld aufgebaut. Das Feldhotel war es nicht. Daran konnten sich Feldkirchs BewohnerInnen und Festival-BesucherInnen noch erinnern, und das hatte anders ausgesehen. Größer war es gewesen, mehr wie ein Haus, ein wanderndes - eines, das man später in Lustenau und dann sogar mitten in der Stadt antreffen konnte. Nein, das hier war anders. Es war rund wie ein Fußball. Innen hohl, leicht und beweglich wirkte es. Es war ein temporäres Kino für Stummfilme.

 

„Etwas anders wahrnehmen“ macht sehr viel aus für eine Stadt. Auf einmal werden BewohnerInnen und BesucherInnen selbst aktiv und machen sich Gedanken über die Stadt und ihre Alltagskultur. Wiederholt setzt die POTENTIALe auf kulturelle Formate, die Impulse für eine Beteiligung an der Stadtraumentwicklung  setzen sollen. Diese Projekte generieren keinen kurzfristigen Hype, sondern wachsen langsam und binden lokale Kräfte und Ressourcen ein.

 

 

 

Das Stummfilmkino von 2016 wurde als offener Raum in der Stadt – als sogenannte Begegnungszone - kommuniziert und genutzt. Ähnlich wie schon das Feldhotel vor ihm sollte auch dieses Projekt nicht einfach wieder spurlos verschwinden, sondern langfristig wirken - in Feldkirch, in der Region, in Vorarlberg. Das ist die Bedeutung von Nachhaltigkeit.

 

... und weiterwirken darf.

 

Nach Abschluss der POTENTIALe 2016 blieb das Stummfilmkino noch zwei Monate im Reichenfeld und verdeutlichte in dieser Zeit einmal mehr, dass man ohne strenge Verbotsregeln oder Bewachung interessierten Menschen Räume zur Verfügung stellen kann - und diese auch entsprechend genutzt werden. In der Mittagspause, im jugendlichen Austausch, für neugierige Kinder und Eltern oder einfach als Dach über dem Kopf: das Stummfilmkino wollte gefühlt gar nicht mehr weg. Doch mit der richtigen Nachnutzungsanfrage kam Bewegung in die Kugel und brachte diese bis in die Marktgemeinde Nenzing. Gemeinsam mit dem Unternehmen Sapa wurde das Objekt übernommen, abgebaut und im Rahmen eines Jugendprojektes wieder aufgebaut. Dort wirkt es nun weiter, als öffentlicher Raum im öffentlichen Raum.


12. September 2017

Was ist schon schön, wenn nicht mit Stil?

AdWin 2017

© Martin Mischkulnig       

© Magdalena Türtscher 


Die POTENTIALe ist nominiert. Beziehungsweise vielmehr das, was die POTENTIALe emotional ansprechend macht. Das Erscheinungsbild unseres Festivals wird die finale Jurierung des AdWin 2017, dem Vorarlberger Werbepreis, am 21. September durchlaufen. Und Ehre gebührt hierfür Magdalena Türtscher. Sie gehört zu den Menschen, die das Erscheinungsbild und die Entwicklung der POTENTIALe maßgeblich geprägt haben. Bereits seit 2013 fungiert die Inhaberin von „Magma – Büro für Gestaltung und Kommunikation“ als maßgebende Art-Direktorin für unser Projekt. Vom Folder über Fotografie bis zur Signalektik - sie ist es, die der POTENTIALe ihren unverkennbaren, wirkungsstarken Schriftzug und Stil verliehen hat. 

 

2015 hat sie erstmalig zwei ihrer Arbeiten beim AdWin eingereicht – und prompt eine Nominierung sowie eine Auszeichnung in der Printkommunikation erhalten. In Magdalena Türtschers Zugängen finden wir zahlreiche unserer eigenen Anliegen wieder, und womöglich liegt hier die Wurzel für den Erfolg unserer Zusammenarbeit. Denn nichts führt zu hochwertigeren Ergebnissen als die gegenseitige Bestärkung anspruchsvoller Ideen. 

 

2016 wurde das Corporate Design für die POTENTIALe 2016 geschaffen - eine grafische Bühne für unterschiedlichste Inhalte. Gleichermaßen klar und zurückhaltend wie außergewöhnlich und auffallend, war es individuell einsetzbar, ohne seinen Wiedererkennungswert zu verlieren. Und mehr denn je hatte es sich der Nachhaltigkeit verschrieben.

 

2017 erinnern wir uns an die hoch gesetzten Standards der POTENTIALe. Und wir setzen unsere Arbeit fort: Indem wir selbst das Unikat sind, für das wir einen Rahmen schaffen.

 


Neuigkeiten zum AdWin

Stil gibt es auch ohne schön. Das wissen wir. Mit schön und hässlich kann man spielen. Aber: Stil ist immer klar. Und wichtig ist das Detail. Denn Stil zeigt sich erst dort, wo alles zusammenspielt - bis ins Detail.

 

Deshalb ist stilvolles Design das alles: spielerisch, klar und detailverliebt. Nicht umsonst hat mit genau diesen - erfüllten - Kriterien das Corporate Design für das POTENTIALe Festival den AdWin 2017 am 21. September gewonnen. Genau genommen hat Magdalena Türtscher den AdWin gewonnen. Mit ihrem Corporate Design. Weil es spielerisch und klar und detailverliebt und nicht zuletzt dann doch auch schön ist. Haptisch, einzigartig in seiner Materialwahl und klar in der Kommunikation. Genau so wollen wir sein, und an diesem Punkt setzen wir fort.

 

Wir machen heuer die Typografie nicht nur zur optischen Charakteristik unseres Corporate Designs. Wir machen sie auch zum Inhalt. Wir erinnern daran, wie viel Kontinuität und zugleich Entwicklungspotential sie ermöglicht - als vielleicht klarste Form der visuellen Kommunikation. Wir feiern die Typografie und Magdalena Türtscher und das Jahr 2017. Ein guter Start für ein Festival. 

05. Juli 2017

Sichtbar im Raum

Aufruf zur Jagd auf Automaten und Mehr

Wer gut Ausschau hält, findet die Spuren der POTENTIALe 2017 jetzt schon.  

Sie zeigen sich als kleine, runde Magnete, versammelt in der Form eines P's oder auch mal einzeln. Einfach als Sammelstück mitnehmen oder für die nächsten Sammelnden dortlassen. Zu finden sind sie an Orten, die man noch nie so genau gesehen hat. Oder an Orten, die schon immer nach Dekoration gerufen haben. An ausgewählten Orten eben. Im gesamten Stadtraum, von gut versteckt bis allzu offensichtlich. 

Ebenfalls sichtbar im Raum ist der POTENTIALe AUTOMAT, der mit neuem Anstrich vom Fesch´markt zur poolbar gewandert ist. Dort bietet er nun die Möglichkeit, Design und Fotografie im Kleinformat mitzunehmen. 

Nicht ganz so abenteuerlustig, dafür umso konstanter sichtbar ist der POTENTIALe AUTOMAT Nummer Zwei. Dieser hat sein Wandern auf ein paar Meter in der Schlossergasse beschränkt, wo man ihn nun zu jeder Tages- und Nachtzeit gut gefüllt antrifft: zwischen dem Stone Club und dem Eingang zum Stadtmarketing und Tourismus Feldkirch Büro.

© Lukas Stark

26. Juni 2017

Vernetzter Stadtraum

Stadtmarketing Austria - Best Practice Day in Feldkirch

© Victor Marin 


„Um Alltagskultur und soziales Handeln pflegen und weiterentwickeln zu können, braucht es atmosphärische Räume, die den Austausch untereinander wieder ermöglichen, die Spielraum für Aktivitäten und Experimente zulassen. Es gibt solche räumlichen Ressourcen – sie sind meist nur nicht auf den ersten Blick sichtbar. Es braucht also Personen, die diese Räume aufspüren und es braucht niederschwellige Formate, die diese Räume für unterschiedlichste Bevölkerungsgruppen öffnen.“

 

Diese Conclusio zieht Carolin Riedelsberger von der TU Wien in ihrer Arbeit über den Beitrag von Kulturfestivals für Stadt- und Regionalentwicklung.

Sie untersuchte für ihre Arbeit verschiedene Festivals in Österreich, darunter auch die POTENTIALe.

Die Arbeit mündet in einer Reihe von Vorschlägen und Handlungsempfehlungen für die Kreativwirtschaft und Kommunen, die darüber nachdenken, ein solches Festival zur atmosphärischen Stadtraumentwicklung einzuführen. Worauf es besonders ankommt schilderte Riedelsberger beim Best-Practice-Day des Österreichischen Stadtmarketing-Dachverbandes STAMA Austria im Montforthaus.

ExpertInnen und KollegInnen aus ganz Österreich kamen hierzu nach Feldkirch, um sich mit der Frage auseinanderzusetzen, welche Strategien Städte in Zeiten schwindender Handelsflächen und Online-Shopping brauchen, um weiterhin attraktiv zu bleiben. Welche Werkzeuge haben Kommunen, um Kreativwirtschaft anzusiedeln, Kulturakteure zu vernetzen und somit einen allgemeinen Mehrwert zu generieren?

 

Mit ähnlichen Fragestellungen beschäftigten sich die Tage davor eine Gruppe von Studierenden der Fachhochschule Kufstein bei einer Exkursion in Feldkirch und das Festival „usgnutzt – Was im Leerstand möglich ist“.

 

Die Projektleitungen der POTENTIALe und der Montforter Zwischentöne präsentierten bei diesen Formaten die Idee hinter den Festivals, verschiedene Formate zur Stadtraumgestaltung und was dies mit Feldkirch zu tun hat. Beim anschließenden Stadtrundgang gab es einen Austausch mit mehreren Akteuren der Altstadt zum Thema Raumgestaltung, Architektur und kreative Geschäftsmodelle.