Schon mal ins Gras gebissen?

 

Welcher große Wunsch motiviert euch für euer Projekt?

 

Wir möchten, dass die Menschen wieder mehr kochen. Sie sollen die Scheu verlieren, Zutaten von Feld und Acker zu verarbeiten – ob nun vom Markt oder selbst Gepflücktes. Wir sind überzeugt, dass es uns allen besser geht, sobald unser Kontakt zur Natur gestärkt wird und wir wieder wissen, was wir da kaufen und essen. „Besser“ nicht nur im Sinne von physisch besser. Auch der soziale Aspekt ist wichtig. Heute gibt es alles „to go“, ob Fast Food oder edler Snack. Wir essen vor dem Fernseher, auf der Straße, im Auto – und sehr oft alleine. Doch das gemeinsame Mahl stärkt zwischenmenschliche Bindungen. Wer schon alleine gegessen hat, weiß, dass es in Gesellschaft einfach besser schmeckt. In fröhlicher Runde wird die Nahrungsaufnahme zum Genuss und es entwickelt sich eine Esskultur. Kochen kann riesigen Spaß machen und schenkt zudem Gesundheit und Unabhängigkeit. Es kann ein Geschenk für andere sein und garniert mit Blüten ist es noch schöner. Nicht zuletzt ist es auch eine politische Entscheidung, denn es macht einen Unterschied, ob ich industriell Gefertigtes kaufe oder Regionales vom Bauernhof. Wir können so viel beeinflussen, die Landwirtschaft, das Klima und Soziales. Und das fängt im Kleinen an, in der Küche, am Esstisch. 

 

Ihr kocht ja nicht nur irgendwie, sondern legt in eurer Küche einen ganz konkreten Fokus – auf Kräuter.

 

Magdalena: Ich wuchs auf 1450 Meter Höhe, auf einem Bergbauernhof auf. Kräuter und sogenannte Unkräuter sind fast das Einzige, das in dieser Höhenlage richtig gut wächst. Meine Mutter Anna kreierte in ihrem Kräuterwirtshaus Speisen im Kreislauf der Jahreszeiten. Für sie sind Kräuter – im Besonderen die wilden – eine Lebensphilosophie, Medizin und Essen zugleich. Das hat sie an ihre Kinder weitergegeben. Spätzle kommen bei uns zumeist grün auf den Tisch, mit Giersch- oder Brennesselspinat im Teig und so kommt es vor, dass mein kleiner Neffe in einer Trotzphase sagt, „dass er gelbe Spätzle sicher nicht isst“. Nach wie vor lerne ich von meiner Mutter sehr viel.

 

Caroline: Als Kind kannte ich vor allem den Schnittlauch in der Suppe und die Petersilie auf den Kartoffeln, die ich aus unserem Gemüsegarten holen durfte. Kräuter waren zwar immer dabei, aber kein zentrales Element in der Küche, schon gar nicht die Wildkräuter. Diese kannte ich eher als Heilmittel, weil wir zuhause kaum Medikamente verwendeten. Während meiner Studienzeit wurde das Kochen zu meinem Hobby und durch Magdalena habe ich die Welt der Wildkräuter entdeckt. Jeder Spaziergang mit ihr ist ein Abenteuer. Immer wieder drückt sie mir ein Blatt oder eine Blüte in die Hand und ich staune, was es da an Geschmackswelten zu entdecken gibt.

 

Und ihr kocht nicht nur in eurer eigenen Küche.

 

Das stimmt. Wir kochen regelmäßig für und mit Freunden, für die Familie, ehrenamtlich für Vereine oder bei Familienfeiern und Geburtstagen. Magdalena kocht zudem im Kräuterwirtshaus ihrer Familie. Überall vertiefen wir unser Wissen – durch Ausprobieren und Experimentieren, durch Gespräche und die Inspiration von anderen. Das Besondere an der Neustadt 25 ist, dass wir – aufgrund der Raumsituation – gar nicht drinnen kochen dürfen. Mit mobilen Küchen werden wir in der Fußgängerzone oder unter den Lauben unsere Töpfe und Pfannen anheizen. Das schafft neue Möglichkeiten der Begegnung. Wir freuen uns darauf, drinnen Leute an einen Tisch zu bringen, Fremde, die vielleicht ins Gespräch kommen und merken, dass es gar keine Hexerei ist, aus Grünem vom Feld oder aus dem Wald etwas zu zaubern. Eine Herausforderung wird das Projekt eher logistisch gesehen. Der Raum ist komplett unmöbliert, mobile Küchen sind neu für uns und ein Auto haben wir keines. Wir freuen uns über das Vertrauen des POTENTIALe-Teams, das uns hier einfach machen lässt.

 

Wer unterstützt euch in euren Ideen?

 

Unterstützt werden wir von rundherum – unsere Familien und Freunde finden das alle wahnsinnig spannend und sind stets VerkosterInnen unserer Kreationen. Vorarlberg ist ein Ort, an dem innovative Ideen leicht auf fruchtbaren Boden treffen. Die Menschen hier sind sehr offen für Neues und Initiativen wie die POTENTIALe ermöglichen so viel. Nachdem wir vom Raum in der Neustadt 25 erfahren haben, waren wir uns sofort einig, dass wir die Chance nutzen möchten, diesen schönen Ort zu bespielen – bzw. zu bekochen. In Zukunft würden wir unsere Kräuterküche auch gerne mit anderen Formaten kombinieren, mit Konzerten, Töpferkursen oder Lesungen etwa.

 

 

Caroline Begle, geboren und aufgewachsen in Vorarlberg, ist Germanistin und arbeitet als freischaffende Texterin sowie als Projektleiterin bei der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA. Sie liebt es, Brot zu backen und tanzend zu kochen, sie mag ehrliches Essen und roten Wein, Fotografie und Musik, bringt sich die Dinge gern selber bei und lacht am liebsten mit anderen. Als Obfrau des Vereins brot.zeit fördert sie das Backhandwerk und als Gründungsmitglied des Vereins Querfeld erkundet sie die Vielfalt der Kräuterküche. 

 

Magdalena Holzer, geboren in Osttirol und seit fünf Jahren heimisch in Feldkirch, ist ausgebildete Tourismuskauffrau und Dolmetscherin. Sie arbeitet als Projektleiterin bei der Internationalen Alpenschutzkommission CIPRA. Sie liebt Reisen, am liebsten mit Bus & Zug innerhalb der Alpen, Begegnungen mit Menschen unterschiedlicher Sprachen und Kulturen und naturnahes Gärtnern. Mit dem Sammelkorb durch Wald, Flur und Wiesen streifend – und dann am Herd kochend – fühlt sie sich in ihrem Element. Als Gründungsmitglied von Querfeld möchte sie diese Begeisterung mit anderen teilen. 

 

 

NEUSTADT 25

 

12. bis 16. November

Täglich 11.30 - 14.30 Uhr

 ›› Kräuterküche

 

„Querfeld“

Caroline Begle & Magdalena Holzer

quer-feld.at

 

 

 Text: Lena Hopp

Fotos: Nadine Jochum