Äthiopische Rose? Vorarlberger Dahlie!

 

Bio und Blume

 

In Sulz im Raum Feldkirch gibt es einen Bioladen, in dem man biologisch angebaute, fair gehandelte Tulpen bekommt. Wenn gerade die richtige Saison dafür ist. Und manche haben einen eigenen Garten. Und das ist dann fast schon alles. Zum Glück nur fast. Denn zum Glück gibt es Sebastian Geiger. Und Blumen Kopf. Sebastian Geiger ist in der Gärtnerei aufgewachsen und weiß, wie schwierig die Situation gerade auch für die Händler dieser Branche ist. „Wir haben immer schon darauf geachtet, möglichst ökologische Lieferungen auszuwählen. Gerade im Winter ist es jedoch fast unmöglich, ökologisch vertretbare Lieferanten ausfindig zu machen. Blumen mit biologischer Zertifizierung gibt es zeitweise einfach nicht. Und das in ganz Europa.“ Es gibt jedoch zahlreiche Schritte, die man in die richtige Richtung gehen kann – Stephanie Wetzinger und Sebastian Geiger haben mitten in der Neustadt aufgezeigt, wie. 

 

Vom Glashus zum Mulchbeet 

 

Begonnen hat sein Weg in der Veranstaltungsorganisation. Nach vielen Reisen und ungezählten Aufenthalten in der Innsbrucker Kulturbackstube „Die Bäckerei“ ist der junge Visionär zurück nach Frastanz gekehrt und hat im Glashaus seiner Eltern den idealen Ort für seine Ideen entdeckt. Er hat Menschen eingeladen, Bekannte und Wildfremde, Menschen, die er interessant fand oder Menschen, die umgekehrt ihren Weg zu ihm fanden. Er hat sie gefragt, was sie an diesem Ort tun würden, und wie sie sich eine andere Art zu konsumieren, zu feiern, zu leben vorstellen. Die anschließend umgesetzten Veranstaltungen sorgten für Begeisterung – und weitere Ideen.

 

„Mir hat gefallen, was meine Eltern gemacht haben. Zugleich habe ich immer schon überall brachliegendes Potential gesehen – und mir oft gedacht, dass man noch so viel mehr machen könnte. Als meine Eltern dann meine ersten eigenen Schritte verfolgten, kamen sie auf mich zu und meinten, ich könnte eigentlich die Gärtnerei übernehmen. Plötzlich hieß es, die volle Verantwortung zu übernehmen. Alles, was wir tun, bringt Konsequenzen mit sich. So, wie die Welt heute ist, hat es jedoch höchstwahrscheinlich die schlimmsten Konsequenzen, wenn wir gar nichts tun.“

 

Eine Frage der eigenen Wirksamkeit

 

Im Gegensatz zum Glashus wartete in der Gärtnerei ein vorgegebenes Aufgabengebiet auf Sebastian Geiger. Aber auch ein Team an Arbeitskräften, das bereit war, neue Experimente umzusetzen. Die Rose aus Ägypten wurde nicht von heute auf morgen aus dem Angebot gestrichen. Wer sie kaufen will, bekommt jedoch ganz plötzlich eine Wahlfreiheit. 100% biologische und regionale Schnittblumen für Sträuße und Blumendekorationen wachsen nämlich seit kurzem auch in Frastanz. Und wer sie bestaunen, besitzen oder andere damit beschenken möchte, der muss sie nicht dort suchen gehen. Denn insbesondere die Blumen-Abonnements machen es möglich, im regelmäßigen Abstand Blumen geliefert zu bekommen – an manche Orte sogar mit dem Lastenrad. Diese Blumen kommen dann nicht aus der Neustadt 25, sondern frisch vom Feld. In der Neustadt aber trifft man die Menschen, die dahinter stehen. Neben Sebastian Geiger auch Stephanie Wetzinger, die nicht nur ein gutes Gespür für Blumen hat, sondern auch viel Feingefühl für die Wünsche der Menschen um sie herum. Sebastian Geiger zählt schon lange auf sie, wenn es um Teamarbeit geht.

 

„Die Arbeit im Team zeigt mir immer wieder, wie sehr es um eine Präsenz geht. Wir haben mehrere Projekte ehrenamtlich umgesetzt, zum Beispiel im Glashus. Bei jedem Projekt gab es Menschen, die sich bereit erklärten, mitzuhelfen – einfach, weil sie eine Begeisterung dafür hatten, was wir machten, und das unterstützen wollten. Ohne mein Team hätte ich das alles nicht geschafft, was in den letzten Jahren passiert ist. Gerade auch das Projekt in der Neustadt 25 – das wäre ohne Steffi niemals möglich gewesen. Ich selbst war dort vermutlich drei Stunden vor Ort. Und sie die ganze Zeit, wofür ich ihr wirklich sehr, sehr dankbar bin.“

 

Sebastian Geiger ist in Frastanz aufgewachsen und nach längerer Zeit des Reisens und Studierens in Innsbruck auch wieder dorthin zurückgekehrt. Mit viel Engagement und bemerkenswerter Entschlossenheit führt er die Gärtnerei „Blumen Kopf“ – und macht in zahlreichen Aktionen und Events anschaulich, wie ökologisches Wirtschaften und ein soziales Miteinander möglich werden. 

 

 

 NEUSTADT 25

 

 17. – 28. September

›› Bio- Schnittblumen

Pop-Up-Store für die ersten Vorarlberger Bio-Schnittblumen

 

„Blumen Kopf“ 

Stephanie Wetzinger & Sebastian Geiger 

blumen-kopf.com

 

 

Text & Inhalt: Lena Hopp 

Fotos: Magdalena Türtscher & Nina Bröll