Räume. Für Menschen, die die Welt verändern.

 

 

Fabulu – Ethical Fashion

 

„Jahrelang haben wir uns gequält. Mit kratzenden Fetzen, die wir nicht gerne am Körper haben und die unglücklich machen. Die frisch aus der Wäsche alt aussehen, nicht atmen und keine Energie versprühen. Wir haben also gespürt, dass etwas nicht stimmt, mit den Dingen, die wir anziehen. Wir haben begonnen, diejenigen zu beobachten, die anders angezogen sind. Die, die nachhaltige Mode machen. Und dennoch fanden wir es nicht, das perfekte Kleidungsstück. Immer wieder stießen wir auf Ungereimtheiten, unvollständige Produktionsketten, soziale Abgründe. Und irgendwann war klar: Wir wollen es selber machen. Wir wollen eine Mode, die dem entspricht, wie wir die Welt sehen. Und wir wollen das, was in uns ist, auch um uns spüren. Deshalb gibt es Fabulu.“

 

Wenn die Bluse in unserem Garten wächst

 

Fabulu ist ein Label, das Tätigkeiten wie Produktion und Handel wieder zu einem persönlichen, unmittelbaren Erlebnis werden lässt. Hier wird Einkauf zu Austausch und Konsum zu Wachstum. Plötzlich wird wieder erfahrbar, was wertschätzender Kontakt mit Menschen wie auch mit Materialien tatsächlich bedeutet – und wie einzigartig sich das anfühlt. Allein aus dieser Herangehensweise entstehen herausfordernd hohe Ansprüche, die Fabulu mithilfe eines einzigartigen Netzwerks in Vorarlberg umsetzen kann. Hier gibt es eine uralte Tradition der Textilindustrie. Hier gibt es die Bregenzerwälder Maßschneiderin, die mit viel Mühe auch den dichtesten antiken Teppichstoff zu einer Jacke verwandeln kann. Hier gibt es die textilen Fundstücke von Norbert Peter Lunger – Bast aus Afrika, wertvolle Mitgift, historische Materialien. Hier gibt es die Menschen, mit denen man gemeinsam vor der Nähmaschine sitzen kann. So entstehen Hemden, Hosen, Blusen und Shirts. Aus ausschließlich biologischen Hanf-, Leinen und Walkstoffen, die vom Produzenten aus Europa bezogen werden – solange es noch keine Produzenten direkt aus Österreich gibt. Der Weg dahin ist bereits geebnet, denn auch hierzulande zeichnet sich eine deutliche Entwicklung in Richtung textiler Neuorientierung ab. Wie wird das sein, fragt Fabulu, wenn wir endlich ein Kleidungsstück tragen können, das vor Ort für uns gewachsen ist?

 

Dann spüren wir, wie es ist, zu blühen.

 

Die grundlegende Ressource für Fabulu ist Hanf. Bereits vor tausenden von Jahren zur Herstellung von Textilien, Seilen und Segeln verwendet, wächst die Hanfpflanze mit wenig Aufwand und bringt auch ohne Pestizide oder Herbizide hohe Erträge, von Norwegen bis zum Äquator. Sie braucht wenig Wasser, nährt den Boden und erreicht in rund hundert Tagen Erntestatus. Was Hanf vollbringt, erinnert an die Arbeit, die ein Mensch vollbringen kann, wenn er aus Begeisterung heraus kreativ tätig wird. Plötzlich macht die Arbeit Spaß, plötzlich wird scheinbar unmögliches möglich – und unrealistisches real. Deshalb legt Fabulu größten Wert auf die Freiwilligkeit jeder Entwicklung, auf die Einbindung persönlicher Wünsche und Träume, auf eine deutlich erlebbare Wertschätzung aller noch so gering Beteiligten. Denn, so sind die Menschen hinter dem Label überzeugt, auch das spüren wir, wen wir ein Kleidungsstück tragen. In der Auseinandersetzung mit Wille und Kraft, mit Schönheit im Innen und Außen, versucht Fabulu die Welt zu verändern, ein kleines bisschen zumindest, Stück für Stück.

 

 

David Hopp, aufgewachsen zwischen Lehmwand und Kräuterbeet, hat sich früh schon durch die Stoffsammlung seiner Mutter gewühlt. Erste Stücke nähte er aus den Vorhängen seiner Großmutter, Maß nahm er, in dem sich auf den Stoff legte und seine Umrisse abzeichnete. Am Flohmarkt in St. Gallen präsentiert, waren alle Teile in einem Bruchteil an Zeit vergriffen – ein Grundsetin war gelegt. Nun arbeitet David Hopp an seiner ersten Kollektion, unterstützt von Schneiderinnen und Schneidern aus dem Land. Er saugt auf, lernt schnell und bleibt stur. Denn nur so erreicht er das Ergebnis, das er sich noch nicht einmal vorstellen kann.

 

Johanna Bernkopf, Mitbegründerin und ehemalige Leiterin der POTENTIALe, hat in Feldkirch und darüber hinaus jahrelang hinter die Kulissen von Designerinnen und Designern geblickt. Als Kulturanthropologin geht sie von einem erweiterten Kulturbegriff aus, der mehr bedeutet als künstlerische Produktion - und alle Lebensbereiche mit einbezieht. Sie will wissen, wie unsere Welt aussehen könnte, wenn Menschen sich selbst und ihr Umfeld bewusst wahrnehmen. Wie ist das, wenn Menschen die Energie eines Produktes spüren - und diese Energie mit ihrer eigenen zu einem großen Ganzen verschmelzen lassen?

 

 

NEUSTADT 25

 

Noch bis 14. September (und dann wieder im Dezember)

Täglich von 13 – 17 Uhr

 ›› Nachhaltige Mode

„Fabulu- Ethical Fashion“

David Hopp & Johanna Bernkopf

 

16. – 21. September

›› Bio- Schnittblumen

Pop-Up-Store für die ersten Vorarlberger Bio-Schnittblumen

„Blumen Kopf“ – Stephanie Wetzinger & Sebastian Geiger 

 

 

Text & Inhalt: Lena Hopp & Johanna Bernkopf

Fotos: Magdalena Türtscher