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Bei jedem Wetter in die Sonne

Wir erinnern uns: „Pünktlich zu den Architekturtagen“, hieß es an dieser Stelle vor einem Jahr, „startet die Villa Müller ihren laufenden Betrieb“. Wesentliche Protagonisten des Projektes waren die damals noch von Wien aus operierende Agentur für Leerstandsmanagement NEST und das Architekturbüro Studio SAAL mit Solveig „Sol“ Furu Almo und Lukas Pankraz Mähr.

 

Studio SAAL lädt diesmal an einen anderen Ort, ebenfalls eine Ardetzenberg-Villa, erbaut allerdings schon um 1900, ins „Schlössle“: Aus dem operativen Betrieb der Villa Müller hat sich das Duo, das eine Weile lang zu den konstanten NutzerInnen des Coworking-Space zählte, ausgeklinkt, und Lukas Böckle, Gründer und Geschäftsführer der Agentur NEST, verlegte seine Agenden nach Feldkirch, in Sachen Villa Müller – und auch in die Villa Müller, wo er eines der Gästezimmer bezog, um seinen immer mehr werdenden Aufgaben vor Ort gerecht werden zu können.

 

So zeigt sich die Villa Müller kommenden Samstag nur scheinbar „wieder“. Präsentiert wird kein neuer Aufguss dessen, was 2018 zu besichtigen war, sondern bereits ein Projekt mit Geschichte. Und ein Projekt mit Zukunft. Die Villa Müller wandelte sich während des vergangenen Jahres von einem offenen Experimentierfeld zu einem zumindest teilweise definierten Ort, über den es am 20.8.2018 hieß: „Ab heute sind wir offiziell ein ‚Hotel Garni‘ inkl. Coworking Space, Seminarzimmer und Eventlocation!“

 

Seither gab es in der Villa Müller nächtliche Jam Sessions und frühmorgendliches Yoga. Haus und Garten dienten als Stätte informeller Geselligkeit bei Flohmarkt oder Muttertagsbrunch genau so wie als attraktives Mietobjekt für private (Firmen)Weihnachtsfeiern, Hochzeiten, Geburtstage; Gastronomenluft schnupperte die Villa Müller bei gebündelten Stadtveranstaltungen wie Peravinum oder Rundklang, eine Prise Kulturveranstalter erbrachten u. a. die Kooperation mit dem Theater am Saumarkt sowie Ausstellungen und Konzerte. Die Jahreshauptversammlung des Management Center Vorarlberg fand in der Villa Müller genau so passende Räumlichkeiten wie die POTENTIALe Messe für junge Design-Talente mit der bisher wohl umfassendsten „Zwischennutzung der Zwischennutzung“.

 

2018 war die Villa Müller der einzige Architekturtage-Schauplatz am Veranstaltungsort Feldkirch, der Rest trug sich in Bludenz zu. Dort war auch der Architekt und Dozent Martin Mackowitz um einen Beitrag angefragt worden, konkret um einen partizipativen, bei dem auch Kinder eine maßgebliche Rolle spielen könnten: So kam es zu den Gelben Stühlen, die so viel Resonanz erfuhren, dass die Farbe bis nach Feldkirch überschwappte. Die Eimer mit dem Gelb wurden zunächst in Levis herangezogen. Im Werkunterricht der dortigen Volksschule produzierten die Kinder, nach einer Basiseinführung in das Malerhandwerk, aus fast drei Dutzend Stühlen ein Ensemble, das dann ausschwärmte und u. a. auch wieder als Leitsystem für die Architekturtage fungiert.

 

Und der Prozess ist nicht passé: Das Malen findet nicht nur im Unterricht, sondern auch in der Freizeit, nicht nur im Schulgebäude, sondern auch auf einem Flecken Wiese und auf Pflastersteinen statt: Am Wochenende der Architekturtage wollen Holzsessel und Farbeimer am Raiffeisenplatz angepackt werden. Willkommen sind kleine AnstreicherInnen mit Ausdauer – am allerbesten im wetterfesten Malerkittel …! Das Teehaus macht zur Abwechslung einen auf Lager und Abstellkammer für die diversen Utensilien und wird womöglich auch als Unterstand gute Dienste leisten.

 

Sollte sich der Feierabend des Maltrupps etwas verzögern, können sich die TeilnehmerInnen einer Architekturtage-Führung ein Bild vom Ab- und Aufräumen oder von den gelben Sesseln machen. Platz Nehmen wird noch nicht möglich sein („Frisch gestrichen!“), aber Platz Sehen – womöglich neu und anders sehen – sehr wohl. Es kommt nicht von ungefähr, dass der alternative Stadtspaziergang zu unterschiedlichen Nutzungen und Deutungen des Öffentlichen Raums (Beginn 17 Uhr am Bahnhof) in einen Besuch am Raiffeisenplatz mündet.

 

Grundsätzliches und Konkretes aus dem Stadt/Studio der Universität Liechtenstein, das – begleitet von Dozent Mackowitz – für den Raiffeisenplatz die Teehaus-Idee entwickelt und umgesetzt hat, zeigt eine Ausstellung der Studierenden. Diese zeigen sich glücklich, für ihre Zusammenschau von Entwürfen, Zeichnungen und Plänen einen ganz neuen Ort zur Verfügung gestellt zu bekommen: Sie, die StudentInnen, werden die Potentiale im Altstadthaus Sonne ausloten. Ingo Türtscher, Projektleiter der POTENTIALe, freut sich ebenso wie die jungen AusstellerInnen auf die Zwischennutzung des Geschäftslokals, das baulich integriert ist in das prestigeträchtige Sanierungsprojekt „Neustadt 14“.

 

Neben dem (im doppelten Wortsinn) Auf-Tun dieser Räumlichkeit bringt die POTENTIALe als weiteres einladendes Element eine dreiteilige Formation „Mobile Hospitality“ in die Architekturtage 2019 mit ein. „Mobile Hospitality“ ist ein der nonvirtuellen Interaktion dienendes Objekt in Gestalt eines formschönen und zugleich schon auf den ersten Blick praktischen Schubkarrens, der Bewirtung und Gastfreundschaft – pusht! Und ursprünglich entwickelten chmara.rosinke ihren an feinen Adressen angesagten Coup – Teil der Dauerausstellung im MAK in Wien, demnächst ausgestellt im Kunstgewerbemuseum Berlin – für Begegnungen in Feldkirch! Maya Kleber, künstlerische Leiterin der POTENTIALe, hatte die Erfolgsgeschichte der mittlerweile international beachteten „Mobile Hospitality“ 2011 mit einem Auftrag angestoßen. Darauf stoßen wir an!

 

 

 

POTENTIALe IM ALTSTADTHAUS SONNE

Zugang zu „Neustadt 14“ von Neustadt und/oder Rosengasse und/oder Entenbachgasse

Ausstellung Stadt/Studio und Betrieb der „Mobile Hospitality“ aka POTENTIALe Mobile im Innenhof

 

STADT / STUDIO

Ausstellung Fr & Sa jeweils 10 bis 19 Uhr bei POTENTIALe im Altstadthaus Sonne (Neustadt 14)

Gelbe Stadt Stühle, weiterführende Produktion beim Teehaus am Raiffeisenplatz (Fr 15 bis 18 Uhr, Sa 10 bis 16 Uhr), anschließend Verteilung der Sitzgelegenheiten im Stadtraum, Sa ab 18 Uhr Freigabe der Sitzgelegenheiten zur „freien Entnahme“

 

VILLA MÜLLER

Open House - Samstag, 25. Mai  12 bis 18 Uhr

 

 

Infos und allfällige Anmeldung unter Architekturtage 

 

 

Text & Inhalt: Redaktion

Fotos: Patricia Keckeis