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Fixpunkt in der Fotolandschaft

POTENTIALe: David Beger, wie ist Dein Bezug zur POTENTIALe?

David Beger: Mein Interesse für die POTENTIALE hängt mit meinem Fotografieren zusammen, die Fotografie ist ja inhaltlich eine wesentliche Säule von Messe & Festival. Mein Einstieg ins Festival war dann gleich einer als Aussteller, 2016 zeigte ich Arbeiten aus meinem Porträtprojekt „zwischendenzeiten“ im Aktionsraum N25.

 

P: Im Rahmen der „Lost Places“?

D. B.: Genau. Damals gab es diese diversen kleinen Locations über die Stadt verteilt, eine davon, in der Neustadt, bespielte ich mit Bildern. Der Titel meiner Präsentation lautete „zwischendenzeiten“, und die Farbfotografien changierten auch ein bisschen zwischen den Welten: Da ist einmal die Welt der Mode, mit der ich einerseits als Fashion-Fotograf viel zu tun habe, andererseits aber auch mit dem Kinderlabel „Matona“, das meine Partnerin und ich betreiben. Und auf der anderen Seite eine ganz bodenständige Alltagswelt von Locals, von Vorarlbergerinnen und Vorarlbergern, Köpfen mit Charakter … 

 

P.: Und welcher Kopf war bei der jüngsten Auflage von Messe & Festival gefragt?

D. B. (lacht): Der des Kurators: Ich wurde angefragt, ob ich einen Teil der Fotoausstellungen programmatisch verantworten wolle. – „Gern!“ – So wählte ich für die monothematische Gruppenausstellung jene KünstlerInnen aus, deren Arbeiten in der Villa Müller präsentiert werden sollten und die dann im Gang und draußen bzw. drunten im Pool zu sehen waren.

 

P.: Wie beurteilst Du im Nachhinein die Villa Müller als Ausstellungsort, speziell für Fotografie?

D. B.: Klassische Ausstellungsräumlichkeiten und -bedingungen bietet dieses Gebäude nicht. Aber im Kontext des Festivalwochenendes war die Villa ein toller Ort auch für die Präsentationen, einfach schon, weil so viel los war. Es hat funktioniert.

 

P.: Auch für die Künstler selbst?

D. B.: Schon, ja: Zwei waren auch in Feldkirch vor Ort, Michael Marten, der mit Bildern aus der Reihe „Sea Change“ im Pool ausgestellt war – das Echo auf diese Arbeiten an diesem Ort war doch recht begeistert. Und Phillip Aumann. Beide Fotografen waren absolut zufrieden: Es sehen einfach sehr, sehr viele Leute Deine Arbeiten, wenn der Ausstellungsort ein so zentraler ist, mit so viel Publikum. Das ist nicht selbstverständlich, und oft auch in Galeriezusammenhängen ganz anders!

 

P.: Sollte das Deiner Ansicht nach so bleiben, dass die Fotografie sich an einem Ort bündelt?

D. B.: Es waren diesmal zwei Orte: Die Villa Müller und dann auch noch das Erdgeschoss im Alten Hallenbad, das sich sehr bewährt. Gut fände ich auf jeden Fall, wenn es auch in Zukunft neben dem Reichenfeld noch einen weiteren großen Schauplatz gibt, wo sich die Fotografie konzentriert präsentiert. Mit vielen kleinen Satellitenausstellungen zerfranst das Ganze doch ein wenig. Und die Leute haben manchmal Hemmungen, versteckte Off Spaces aufzusuchen – sie finden nicht hin, im wörtlichen oder im übertragenen Sinn.

 

P.: Und Du kuratierst weiter? Wie wirst Du vorgehen?

D. B.: Ich freue mich, dass ich die Möglichkeit habe, dran zu bleiben. Wahrscheinlich werde ich wieder vier Künstlerinnen und Künstler auswählen, das hat sich bewährt: Überschaubar und doch ästhetisch abwechslungsreich. – Mittelfristig verfolgt das Format Messe & Festival die Idee, sein Profil in Sachen Fotografie zu schärfen. Mein Anteil daran wird zunächst sein, wieder ein Thema zu definieren. Das hängt nicht in erster Linie, aber doch auch vom Raum ab, der zur Verfügung stehen wird.  Dann ist mir wichtig, fotokünstlerische Positionen zu zeigen, die am Zeitgeschehen dran sind. Und dass die Arbeiten einen hohen Standard, eine gute Qualität haben. Freilich, das POTENTIALe Festival ist kein Fotografie-Festival im engeren Sinn …

P.: Gibt‘s das?

D. B.: Ja, in Arles zum Beispiel, das ist eines der berühmtesten … Wie gesagt, auch wenn die POTENTIALe kein reines Fotofestival schafft, so ist sie doch keine kommerzielle Veranstaltung, keine Verkaufsmesse für Fotografie, der Festivalcharakter ist schon ganz wesentlich.

 

P.: Wie siehst Du Messe & Festival der Zukunft, was die Fotografie angeht?

D. B.: Das Ziel wäre schon, dass sich die Formate als feste Größe etablieren können, als Fixpunkt in der Fotolandschaft. Der Raum kann durchaus jedes Mal ein anderer sein, das Niveau wäre die Konstante, die Fotografie am Puls der Zeit. Wichtig ist, auf Qualität zu setzen und sich dessen bewusst zu sein, dass die Etablierung im Bewusstsein der internationalen Foto-Szene, aber auch in den Augen und Köpfen vor Ort ein Prozess ist. Ein womöglich durchaus zeitintensiver Prozess.

 

P.: Danke für das Gespräch. Macht neugierig auf den Herbst!

 

 

POTENTIALe Messe & Festival findet in diesem Jahr von 8. - 10. November statt. 

Text: Petra Nachbaur

Fotos: Patricia Keckeis & Angela Lamprecht