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Ganz nah am Teehaus

Es schien im Wortsinn naheliegend, als erstes ein Gespräch in den vier Wänden der Raiffeisenbank zu führen: Sie ist Namenspatronin jenes zum Platz erhobenen Hofs, der seit gut einem halben Jahr durch das Stadt/Studio-Engagement im Rahmen der POTENTIALe-Ganzjahresprojekte  neue Aufmerksamkeit erfahren hat. Von einem Teil der Büros aus blicken die Angestellten direkt auf den Raiffeisenplatz, doch auch in den restlichen, Richtung Domplatz gelegenen Räumlichkeiten hat man, von Seiten des Bankinstituts aus, das Teehaus sozusagen am Schirm.

 

Mag. Stefan Vetter, Direktor der Raiffeisenbank Feldkirch und Mitglied des Vorstandes, erinnert sich spürbar gern an die auch für ihn und sein Team spannende Planungsphase. Es war bekannt – und vom Bankunternehmen bewusst gutgeheißen – , dass Studierende der Universität Liechtenstein sich mit der gegebenen Situation befassen und am Ort, vor Ort intervenieren würden. Zugleich war klar, dass es sich gewissermaßen um eine Carte Blanche handeln würde. Mit Neugier und Interesse habe man – teilweise ein bisschen rätselnd – beobachtet, wie die jungen Leute von Baum zu Baum ihre Wäscheleinen spannten, Skizzen, Entwürfe und Pläne anbrachten, diskutierten und sich mit PassantInnen austauschten.

 

Dass es dann zum Teehaus kam, konnte einer Bank, die sich nicht zuletzt als die der „Häuslbauer“ versteht, nur lieb und recht sein. Die Arbeiten an der Umsetzung bis zum Anstrich in Signalrot habe man aufmerksam verfolgt. Die Befürwortung einer Initiative zur wiewohl non-kommerziellen, so doch urbanen Belebung des Raiffeisenplatzes hat mit einer grundsätzlichen Haltung „und dem genossenschaftlichen Förderauftrag“ zu tun, kommt aber auch dem Unternehmen selbst zugute. Schließlich liegt es sowohl im Interesse der Allgemeinheit als auch des Hauses, dass der Raiffeisenplatz die Chance hat, sich von seinem teilweise zwielichtigen Ruf zu emanzipieren.

 

Ganz konkret schräg angelegt ist der Platz aufgrund baulicher Erfordernisse – Direktor Vetter erklärt das Gefälle mit der unter dem Raiffeisenplatz gelegenen Tiefgarage. Das nun Platz-prägende Teehaus findet Gefallen und Zustimmung, sind sich Stefan Vetter und der Marketingverantwortliche Ulrich Knoll einig. Zustimmung gilt auch den bisherigen Aktivitäten rund um die Rampe, die den so untypischen wie unverwechselbaren „Platz“ mit dem schmucken Hüsle verbindet. Was Aktivitäten angeht, wäre freilich noch Luft nach oben: nicht qualitativ, doch aber quantitativ. Ulrich Knoll, mit Büroaussicht auf den Platz, bringt die Idee eines „Speaker’s Corner“ ins Gespräch.

 

Eine stärkere Durchmischung des Publikums wäre durchaus begrüßens- und wünschenswert. Nicht zuletzt deshalb plädiert Mag. Vetter ohne geringstes Zögern dafür, dem Teehaus noch mehr Zeit zu geben. Ob daraus eine Skulptur auf Dauer werden soll, sei dahin gestellt, aber „mindestens noch im Frühjahr, gern bis Sommer“ solle man das Teehaus, am besten mit intensivierter Bespielung, wie sie in wärmeren Monaten wieder möglich wird, weiter betreiben, weiter ausprobieren.

 

So sieht das auch Gertrude S., die direkt am Raiffeisenplatz ihre Wohnung hat. Frau Gertrude lebt seit ein paar Jahren in Feldkirch und kennt andere Städte, auch Großstädte. Auch deshalb pflegt sie einen entspannten Umgang mit dem Raiffeisenplatz und kann den dortigen ‚Zuständen‘ angesichts properen Vorarlberger Hochglanz-Lebensgefühls punktuell durchaus etwas abgewinnen – manchmal kann das städtische Laubgebläse in aller Früh grad so störend sein wie eine nächtliche Streiterei.

Immer wieder nimmt Gertrude Situationen wahr, wo touristische BesucherInnen der Stadt ganz unbefangen am Raiffeisenplatz stranden, Schatten und Ruhe genießen – und dann, zeitversetzt, bemerken, dass der öffentliche Raum an dieser Stelle quasi besetzt ist.

 

„Trude“ ist bekennender Fan vom Teehaus und macht über Social Media darauf aufmerksam. Aber: Sie bemerkt einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Klientel am Platz  und in der nahe gelegenen Szene-Bar. Und: Als weibliche Städterin reflektiert und thematisiert sie Dominanz. Ein Platz für junge Männer sei der Raiffeisenplatz nach wie vor, bis auf weiteres auch mit dem Teehaus, trotz Teehaus.

 

 

Von Seiten der POTENTIALE äußert sich Ingo Türtscher: „Uns freut es, nicht zuletzt auch für das Stadt/Studio, dass das Teehaus an sich von den Anrainerinnen und Anrainern so vorbehaltlos akzeptiert wird. Nun kann und soll es weiterhin, und zwar als Kommunikationspunkt und als Objekt, dazu dienlich sein, den Austausch zu fördern.“  Und weiter erläutert der POTENTIALe-Projektleiter: „Es geht eben darum auszuprobieren und zu erkennen, was für den öffentlichen Raum, konkret am Raiffeisenplatz, stimmig und passend ist. Das Geschehen vor Ort könnte bunter und vielfältiger werden. Eine solche Öffnung durch weitere Formen der Nutzung soll aber möglich sein, ohne das Stammpublikum zu verdrängen. Sprich: Koexistenz statt Homogenisierung!“

 

Das Teehaus nutzen? Wir freuen uns über eure Ideen: OPEN CALL

 

 

Text: Petra Nachbaur

Foto: Blick Raiffeisenbank Feldkirch (© Ulrich Knoll)