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Aus der Haut von Bäumen

Wir haben den beiden Diplom-Designerinnen Nicola Burggraf und Elena Burggraf-Reusch ein paar Fragen gestellt – und wissen nun, was wir zuvor nur ahnen konnten. Warum sich gutes Design durch den Verzicht auszeichnet. Warum es einen Unterschied macht, ob Taschen aus den Häuten von Tieren oder aus den Häuten von Bäumen entstehen. Und auch, warum die POTENTIALe ei-nen Besuch wert ist. 

Wie seid ihr auf die POTENTIALe gekommen?

Auf einer Veranstaltung im MAK Köln hat Lukas Stark uns gefragt, ob wir Lust hätten, an der POTENTIALe teilzunehmen. Das Konzept und das hochwertige Infomaterial haben uns gleich angesprochen und wir haben nicht lange überlegt. Wir hatten das Gefühl, uns dort in einem sehr stimmigen, spannenden Kontext präsentieren zu können. Und da sind wir nicht enttäuscht worden.

 

Und wie hat euch das Festival gefallen?

Wir finden, es war die entspannteste Veranstaltung, die wir bisher mitgemacht haben. Dies lag mit Sicherheit zum einen an der guten Organisation des Festivals, zum anderen aber auch an der besonderen Location und der lockeren Stimmung, die unter den Ausstellern herrschte. Wir haben in Feldkirch einige ganz wunderbare Menschen und Projekte kennengelernt. 

 

Was würdet ihr gerne verändern oder anders sehen?

Da fällt uns tatsächlich nichts ein. 

 

Entwerft ihr gemeinsam oder jede für sich? Wo erlebt ihr in der Zusammenarbeit eure jeweiligen Stärken und Differenzen? Wie lange arbeitet ihr schon zusammen?

Als Zwillinge sind wir ja sozusagen ein geborenes Team. Wir haben schon im gemeinsamen Studium sehr gut zusammen funktioniert und uns ergänzt. Nach dem Diplom war es dann erst mal an der Zeit, getrennte Wege zu gehen und unabhängig voneinander Berufs- und Lebenserfahrung zu sammeln.

So hat es Elena nach Köln verschlagen und Nicola nach Stuttgart. Wir haben hier mehrere Jahre in verschiedenen Agenturen und Institutionen im Bereich Design Research, Exhibition und Content Design gearbeitet. Dass wir eines Tages wieder zusammenkommen würden, um gemeinsam zu arbeiten, war uns irgendwie immer klar. Nicola hat dann den ersten Schritt getan, ihrer Festanstellung den Rücken gekehrt und mit dem Aufbau eines eigenen Labels begonnen. Elena ist etwas später hinzugekommen und aus »burggraf« wurde 2017 endlich »burggrafburggraf«. Da wir die räumliche Trennung noch nicht überwunden haben, skypen wir täglich und treffen uns regelmäßig. Jede hat ihre Aufgabenbereiche, aber wir stimmen uns ständig ab. Irgendwann wieder von einem Ort aus zu arbeiten, wäre fantastisch.

 

Warum die Entscheidung für ausschließlich pflanzliche Materialien – insbesondere Kork? 

Es erschien uns fortschrittlicher und vor allem nachhaltiger, eine Kollektion aufzubauen, die die Potentiale von pflanzenbasierten Materialien aufzeigt. Leder ist ein gutes Material mit einer uralten Tradition, aber wir denken, es ist an der Zeit alternative Materialien zu pushen. 

Während unserer Recherche zu Lederalternativen sind wir auf Portugals nachhaltige Korkwirtschaft gestoßen. Als wir die ersten Korkledermuster in den Händen hielten, waren wir vor allem von der Leichtigkeit und der weichen Oberfläche angetan. Dass Korkleder neben seinen optischen und haptischen Qualitäten auch in Sachen Nachhaltigkeit punkten kann, machte es dann zum Material für unsere erste Kollektion. Wir beobachten noch weitere sehr spannende Materialentwicklungen auf Pflanzenbasis, mit denen wir in Zukunft unbedingt arbeiten möchten.

 

Was mögt ihr selbst an euren Produkten am liebsten?

Die Leichtigkeit und die Tatsache, dass sie, obwohl sie formal reduziert sind, einen sehr hohen Wiedererkennungswert haben. Wir mögen klare Silhouetten und ruhige Farbpaletten, an denen man sich nicht schnell satt sieht. Ausgeklügelte Details und innovative Konstruktionen sind uns besonders wichtig. So entstehen zum Beispiel bei unserer Clutch Reto aus der Kellerfalte der Vorderseite im Innenraum drei offene Fächer. Bei unserem Rucksack Como haben wir die Träger auf die Frontseite verlegt, so sichern diese zusätzlich zu den verdeckten Magneten die Klappe, wenn man ihn auf dem Rücken trägt. Das „signature element“ unserer ersten Kollektion ist ein Edelstahlsteg, der in der Kellerfalte eingebettet ist. Hieran werden die Träger mit einem Ankerstichknoten befestigt. Ein Knoten, der schon seit Jahrhunderten an Land und auf See verwendet wird und den wir wegen seiner schlichten Eleganz lieben. 

Wir sind eher leise Menschen. Irgendwie transportiert sich das auch in unserer Gestaltung. Klare Kante, minimalistisch, im Detail raffiniert. 

 

 

 

Text: Lena Hopp

Fotos: Angela Lamprecht