Von der Liebe zur Architektur

Franziska Möhrle und Valerie Rainer sind die Initiatoren des jüngsten Architektur-Kollektivs in Feldkirch. „Aufstrich“ verfolgt nicht nur einen grundlegend hohen Qualitätsanspruch, sondern weiß ganz besonders auch um die Kunst der Verfeinerung.

„Das Wichtigste an Räumen ist, dass sie in aller Lebendigkeit erfahren werden können“, so Valerie Rainer, und diese Lebendigkeit ist deutlich spürbar, wenn man die beiden angehenden Architektinnen trifft. In ihren Räumen verbünden sich Idealismus und Bescheidenheit, Raffinesse und Humor – zu einer warmen und klugen Herzlichkeit. Denn Architektur kann man nicht nur sehen. Man kann sie auch spüren. Franziska Möhrle und Valerie Rainer über Ihre Herangehensweise und ihren Auftrag in der Welt.

 

ZUR LIEBE IN DER ARCHITEKTUR

 

„Über unsere Arbeit hat sich eine Freundschaft entwickelt, und daraus wiederum der Wunsch nach intensiverer Zusammenarbeit. Wir wollen etwas Gemeinsames umsetzen, und das auf unmittelbare und einladende Art. Wir wollen zeigen, was direkt aus einer Idee heraus umgesetzt werden kann, sobald man aktiv wird. Und wie wichtig dabei das Rundherum, das Feinstoffliche, das gar nicht Sichtbare ist. Unsere Spezialität ist nicht die architektonische Grobstruktur. Sondern das Extra, das, was danach und oben drauf kommt – das, was Dinge letztendlich ausmacht, zu etwas Besonderem macht. Vieles, was aktuell gebaut wird, ist computergeneriert, wird quasi aus dem Boden gestampft. Das sieht man nicht nur, sondern man spürt es auch. Man spürt, dass etwas fehlt – das wirklich menschliche eben, die Liebe darin.“

 

EINE ZENTRALE

 

„Die Zentrale war immer schon ein Treffpunkt, nicht nur während, sondern auch vor und nach dem eigentlichen Festival-Besuch. Hier konnten AusstellerInnen und BesucherInnen gemeinsam ihren Tag ausklingen lassen, gesammelte Eindrücke setzen lassen, noch ein wenig da sein ohne im Getümmel zu sein. Oft möchte man noch nicht ganz raus aus einer Welt - oder sich noch nicht mitten hineinstürzen. Die Zentrale ist also auch eine Schwelle, ein Ort des Eintauchens und wieder Auftauchens. Wir wollen daher eine Art Kokon schaffen, eine gemütliche Stube, in der man gerne noch ein Weilchen sitzen bleibt. Wichtig ist uns dabei auch, dass die Zentrale ein Freiraum bleibt. Die Thematik des Konsumzwangs ist ja längst in aller Munde. Es gibt jedoch auch einen sozialen Zwang – so dass viele Menschen sich kaum trauen, sich ganz allein irgendwo hinzusetzen. Gerade auch das wollen wir durch unsere Architektur jedoch möglich machen.“

 

FÜR DIE POTENTIALe

 

„Wir finden es großartig, dass Architektur immer mehr als kulturelles Sprachrohr erkannt und genutzt wird. Architektur bietet den räumlichen Rahmen, in dem Kultur erlebt werden kann – und gerade wegen diesem Erlebnisfaktor ist auch die Entwicklung der POTENTIALe in den letzten Jahren so großartig verlaufen. Früher, als das schlicht eine Messe war, haben wir uns zwar dafür interessiert, viele junge Menschen aus unserem Bekanntenkreis aber nicht. Jetzt erst ist das Festival wirklich für alle Alterschichten und Szenen zugänglich geworden. Anfangs fanden wir es schade, dass das Festival in diesem Jahr nicht über drei Wochen verläuft. Jetzt sehen wir, dass das Programm so viel dichter, komprimierter, zugleich auch strukturierter ist. Umso mehr wollen wir einen Raum schaffen, der zwischen dem bereits Erlebten und allem noch zu Erlebenden steht – und sich mit jedem Erlebnis spontan verändern kann.

 

 

Text: Lena Hopp

Foto: ARTCOR