Ist Kultur eine Droge? Und was ist Kulturerbe?

Wir können uns nicht ernsthaft mit Kultur auseinandersetzen, ohne einen Blick über unsere Grenzen zu wagen. Das tun wir auch, indem wir uns dafür interessieren, was in der Schweiz so passiert. Zum Beispiel. Da gibt es – ganz aktuell – einen Fotowettbewerb und spannende Projekte zur Zwischennutzung. Aber natürlich bedeutet der Blick über die Grenzen noch viel mehr.

Kürzlich lief auf FM4 ein Aufruf: Private Plätze, von ganz persönlichem Wert, sollten zum Weltkulturerbe gekürt werden – selbstverständlich von einer Jury, die mit dem echten Weltkulturerbe nichts zu tun hat. Gewinner war ein Innenhof in Wien. Ein Ort, an dem die Vögel zwitschern und Kinder spielen und Grillparties gefeiert werden. In Genres betrachtet, fällt ein Radio-Aufruf wie dieser unter „Comedy“ – und ganz ehrlich, die Zwischennutzung wird an manchem Ort nicht groß anders gesehen. Anders gesagt: nur unter Vorbehalt ernstgenommen.

 

Kulturerbe im Blick: Fotowettbewerb St. Gallen

 

Warum das so ist, soll hier nicht länger erörtert werden, denn die Gründe sind aus verschiedenen Blickwinkeln immer wieder neue. Die meisten sind jedoch alles andere als schlagkräftig, geschweige denn haltbar. Tatsache ist, dass zwar einerseits wir – und das heißt, jede und jeder von uns – es sind, die Kultur formen, vermitteln und hinter uns zurücklassen. Andererseits aber ist uns das oft nicht bewusst und noch öfter überlassen wir kulturelle Entscheidungen völlig unreflektiert etablierten Institutionen. Insbesondere die Entscheidung, was denn nun Kultur, Hochkultur oder gar Kulturerbe ist. Manchmal mag das sinnvoll sein. Aber ganz bestimmt nicht immer. Zur ganz persönlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Kulturerbe ruft nun die Lokremise in St. Gallen auf. Achtung – der Akkreditierungsschluss zum hochkarätigen Fotowettbewerb ist am 25. Mai 2018!

 

Schaffen neue Nutzungsideen eine neue Kultur?  

 

 

Was ist der/die/das Lattich? Schlicht gesagt: Eine Ansammlung von Containern in der Ostschweiz. Etwas ausführlicher: Ein modernes und vielversprechendes Konzept für Hallenvermietungen und Veranstaltungsplanungen. Lattich kommt nicht nur den aktuellen kulturellen Anforderungen entgegen, sondern macht viele Entwicklungen und Ideen überhaupt erst möglich. Ganz neu dabei ist ARTCORE, ein 12 Meter langer Container, der gemietet werden kann. Und wer sich das Ganze mal ansehen möchte, darf der Schweiz einen Besuch abstatten – oder, noch viel wichtiger: Dazu vorab per Crowdfunding bis 21. April beitragen, unter https://wemakeit.com/projects/lattich-zwischennutzung. Sicher ist, dass die Idee der Zwischennutzung als gesellschaftlich relevantes Thema längst nicht mehr wegzudenken ist, aus unserer Kultur. Und da passt vielleicht ein ganz und gar nicht berühmtes Zitat von einem ganz und gar nicht berühmten Künstler: Culture is worse than any drug“. Das kann man nun interpretieren, wie man will. Auf jeden Fall ist es einerlei, wie aktiv oder passiv wir gestalten – entkommen tun wir der Kultur alle zusammen nicht.