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Städtebauliche Potentiale: gemeinsam bespielen, gemeinsam nutzen.

Kann die Kooperation von Universität und POTENTIALe einen Ort schaffen, der als Möglichkeitsraum für Ausstellungen, Vorträge, kreativen Handel und städtebaulichen Diskurs dient? Dieser Frage geht das Stadt Studio auf den Grund, entworfen für Feldkirch und umgesetzt von der Universität Liechtenstein.

Worin wurzelt die Idee für ein Stadt Studio?

 

Es liegt in der Natur der Architektinnen und Architekten, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und dabei sowohl Probleme als auch Potentiale zu erkennen. Wir versuchen stets, einen Mehrwert für einen Ort und die Gesellschaft zu generieren. Das Architekturstudium kommt dabei leider oft einer Trockenübung gleich, und viele hervorragende Ideen junger und enthusiastischer Studierenden bleiben nur auf Papier. Das ist aus meiner Sicht eine verpasste Chance - und das vom Dozenten Martin Mackowitz angedachte Stadt Studio bietet hier eine fantastische Alternative: Studierende sind einem realen Kontext ausgesetzt, arbeiten vor Ort und im Diskurs mit der lokalen Bevölkerung, entwickeln Ideen und schaffen durch ihre Umsetzung einen konkreten Mehrwert für den Standort. Das resultiert in einer Win-Win-Situation für alle Beteiligten.

 

Was ist ein Stadt Studio und was kann und möchte es schaffen?

 

Ein Stadt Studio setzt sich aus Studierenden und Dozierenden zusammen, welche gemeinsam durch einen architektonischen Entwurf und die darauf folgende Intervention einen Ort zum Leben erwecken und dadurch bereichern. Sein Ziel ist es, unterbewertete Räume, Schwellenräume und solche, die nur vorübergehend genutzt werden können, zu bespielen und zu transformieren. Dadurch wird einerseits ein Bewusstsein innerhalb der Gesellschaft geschaffen, andererseits werden Potentiale aufgezeigt. Und dadurch wiederum wird das Stadt Studio hoffentlich zum Katalysator für eine städtebauliche Entwicklung Feldkirchs.

 

Wie prägt ein akademisches Umfeld einen Ort, eine Stadt?

 

Die oft proklamierte Freiheit von Lehre und Forschung prägt das akademische Umfeld. An der Universität darf und soll experimentiert werden, Undenkbares wird offen ausgesprochen, scheinbar Unmögliches nie ausgeschlossen. Diese Offenheit sprengt das Verständnis einer von Gewohnheiten, Gesetzen und Regeln geprägten Stadt und zeigt genau deshalb das auf, was möglich wäre, wenn. Es gibt kaum etwas Dynamischeres als eine Gruppe von wissensbegierigen, hoch motivierten und kreativen Studierenden, denen es ermöglicht wird, die Stadt neu zu denken und mitzugestalten. Diese Kraft kann einen Ort, eine Stadt wie Feldkirch, nachhaltig prägen.

 

Warum ein Stadt Studio in Feldkirch?

 

Die Universität versteht sich als Impulsgeber für unsere Region und möchte einen aktiven Beitrag dazu leisten, unseren gemeinsamen Lebensraum stetig zu verbessern. Zwar liegt eine Landesgrenze zwischen der Universität Liechtenstein und Feldkirch, letzten Endes beträgt die Entfernung aber nur wenige Kilometer. Durch die Nähe zur Uni, die städtische Struktur und das aktive kulturelle Leben ist Feldkirch ein idealer Ort für das Stadt Studio. Denn als solches funktioniert dieses nur dann, wenn es von politischer Seite erwünscht wird und die Bevölkerung ihm mit Offenheit begegnet - sprichwörtlich. Diese Voraussetzungen sind in Feldkirch definitiv gegeben und ich bin mir sicher, dass das Stadt Studio eine Vorreiterrolle für mögliche Nachfolgeprojekte einnehmen wird. Wir freuen uns enorm auf die Zusammenarbeit und sind gespannt auf die bestimmt inspirierenden Resultate.

 

 

Peter A. Staub ist Professor für Entwurf und Theorie, Leiter des Instituts für Architektur und Raumentwicklung sowie Prorektor für Außenbeziehungen der Universität Liechtenstein.