Architekten inszenieren für den Nutzen dazwischen

Was tut eigentlich das Studio SAAL im Pulverturm? Ziemlich viel, ziemlich aufwändig. Wir waren im Gespräch mit zwei Architekten, die mehr im Sinn haben als einfach Häuser zu bauen. Einige ihrer Antworten gibt es an dieser Stelle zu lesen.

© Lukas Pankraz Mähr 

Wer ist eigentlich Studio SAAL ?

 

SAAL ist aus dem Begriff „Sarl“ entstanden, einem der ursprünglichsten Worte für „Haus“. Seit 2016 ist SAAL ein Studio für Architektur, gegründet von Solveig Furu Almo und Lukas Pankraz Mähr. Es ist ein Ort der Zusammenkunft, ein Ort, an dem Projekte entwickelt werden: für Menschen, vor allem aber gemeinsam mit Menschen.

 

Funktioniert Architektur ohne Menschen?

 

Nein. Und umgekehrt kommen Menschen oft erst an Orten der Architektur zusammen. Das Herz eines jeden Hauses ist dort, wo sich die Menschen treffen. Projekte, die uns besonders am Herzen liegen, sind daher auch jene, die eine hohe Qualität in der menschlichen Zusammenarbeit aufweisen. Qualität bedeutet für uns mehr, als nur hochwertiges Material zu verwenden - es bedeutet auch einen respektvollen und klugen Umgang mit Ort und Umgebung, ein Erarbeiten sinnvoller Nutzungsmöglichkeiten und nicht zuletzt einen ernsthaft fundierten Austausch mit Menschen.

 

Wie sinnvoll ist Zwischennutzung?

 

Im Grunde mögen wir das Wort „zwischen“ nicht unbedingt. Die Diskussion rund um Zwischennutzungen ist allgegenwärtig und berechtigt. Eine temporäre Nutzung muss jedoch nicht davon gekennzeichnet sein, dass sie zwischen zwei anderen Nutzungen steht. Jedes Gebäude hat seine Epochen, Phasen und Nutzungsmöglichkeiten. Und generell widerspricht jeder Leerstand dem Daseinszweck eines Bauwerks.

Also gegen den Leerstand?

 

Gebäude sollen schlichtweg nicht leerstehen und verfallen - sondern genutzt werden. Wir sehen unsere Aufgabe sehr stark dort verankert, wo die bisherige Nutzung eines Hauses nicht mehr funktioniert oder überholt ist. Manchmal brauchen solche Häuser eine mehrmalige Neunutzung, um wieder sich selbst und den Anforderungen ihrer Zeit gerecht zu werden. Architektur ist also nicht zuletzt auch dafür da, Gebäude so anzupassen, dass sie wieder nutzbar sind.

 

Und konkret zum Pulverturm?

 

Man muss ihn gesehen haben, ganz einfach. Unsere Installation spielt sich hauptsächlich im Dachstuhl ab, der unserer Meinung nach architektonisch herausragend ist. Hier ist das tatsächliche Alter des Gebäudes am besten erkennbar - und auch die Bauweise seiner Entstehungszeit. Das zwölfseitige Zeltdach mit Mittelstütze und Fächerwerkkonstruktion birgt eine eigenartige Schönheit, dessen Verstärkung uns durch eine großflächige Verspiegelung gelungen ist. Diese Verspiegelung ist auch die ideale Grundlage für Lichtinstallationen. BesucherInnen können, aus einer Hängematte heraus, durch Licht hindurch in Spiegelfelder sehen, hinein in Raum und Atmosphäre. Eine nahezu meditative Stimmung wird erwirkt.

 

Wie ist solch eine Installation überhaupt umsetzbar?

 

Nicht einfach. Zwei Teams haben uns abgesagt, weil sie sich der doch sehr wagemutigen Aufgabe nicht gewachsen fühlten. Schließlich haben wir mit Manuel Schwald jemanden gefunden, der scheinbar Unmögliches auf beeindruckende Weise umsetzte. Ohne sein Engagement wäre die Realisation dieses Projekts ganz sicher nicht möglich geworden.